titelbild Mensch Muddi podcast Folge 26 - einfach mal Nichts tun.

Aktives Nichtstun: Eine radikale Übung für überlastete Mütter

Wenn du gerade vielleicht denkst, ich kann nicht mehr, ich bin echt fix und fertig, das neue Jahr hat gerade erst begonnen, aber trotzdem bin ich irgendwie jetzt schon am Limit, dann mach bitte nicht noch was. Also nicht noch eine To-Do, nicht noch einen Snack, nicht noch ein Nur-mal-Kurz-An-S-Handy. Und ich mag dich mitnehmen auf eine Reise in vielleicht ein etwas für unsere Gesellschaft heute radikale Übung. Ich möchte mit dir nämlich ganz aktiv heute nichts tun. Und das für fünf Minuten. Und ich weiß, du wirst denken, was soll das denn sein? Letzische fünf Minuten? Easy. Aber ist gar nicht so einfach, wie du denkst. Herzlich willkommen bei Mensch, Mutti. Dein Podcast für einen sober Lifestyle.

Die ständige Verfügbarkeit von Ablenkung

Wir leben in einer Gesellschaft mittlerweile, in der Ablenkung, also sich immer irgendwie mit irgendwas beschäftigen, diese Ablenkung ist immer und überall verfügbar. Und das ist ein Problem. Früher hatten wir ganz automatisch Phasen des Nichtstuns, weil es wirklich über längere Zeiträume oft nichts zu tun gab. Und mit früher meine ich nicht vor 2000 Jahren, sondern vor 100 Jahren, aber auch noch vor 50 Jahren, sogar noch vor 35 Jahren. Und seitdem ist einfach, was die Verfügbarkeit von Ablenkung, vor allem durch den technischen Fortschritt, passiert, ist unglaublich viel passiert. Und das will ich gar nicht verteufeln. Ich möchte hier mein Handy auch nicht mehr missen. Aber seit die Handys, die Smartphones in unser Leben gekommen sind, ist sowas wie wirklich nichts mehr zu tun zu haben ein echtes Fremdwort geworden. Weil wir einfach unfassbar viel in diesem kleinen Kasten immer bei uns haben.

Das Smartphone als Alleskönner

Ja, es ist, wir wollen wissen, wie das Wetter ist, Handy raus, gucken wir auf die Wetter-App. Wir haben im Handy wahrscheinlich unsere Einkaufslisten gespeichert oder gucken im Handy auch nach Angeboten in irgendwelchen Discountern oder Supermärkten. Wir wissen nicht, was wir kochen sollen, also holen wir uns Rezeptinspiration, auch alles drin in unserem Handy. Wir haben vielleicht hier, wie ich, den Aura-Ring oder die Apple Watch. Wir haben irgendwelche Gesundheitstracker, gucken aufs Handy, um nachzuschauen, wie habe ich eigentlich geschlafen, wie viele Schritte habe ich heute gemacht, wie steht es um meine Herzgesundheit. Wir haben die Steuerung unseres Smart Homes auf unserem Handy. Wir machen damit die Heizung doller an oder weniger an oder machen irgendwo das Licht an oder aus. Dafür, wir nehmen das Handy in die Hand. Wir können tracken, wo Leute sind. Wir können uns gucken, wo ist unser Kind oder unser Partner, wie noch immer du trackst, keine Ahnung. Wir haben unsere Messenger da drauf, kommunizieren mit Menschen. Wir haben aber auch Apps drauf, mit denen wir Serien gucken können, Filme gucken können. Spiele sind da drauf. Und natürlich TikTok, Instagram, Facebook. Also alles an Social Media ist auf unseren Geräten, was uns wirklich dauerbeschäftigt halten kann.

Wenn wir jetzt mal so einen klitzekleinen Moment des Nichtstuns haben könnten, also wenn der sich so anbahnt, zum Beispiel, wenn wir auf den Bus warten oder im Wartezimmer beim Arzt sitzen oder an der Supermarktkasse stehen oder, habe ich auch schon beobachtet, einen Weg gehen von A nach B, wo wir ja eigentlich sogar was zu tun haben, aber uns dieses zu tun des Spazierengehens nicht reicht, holen wir das Handy raus. holen wir das Handy raus und machen einfach irgendwas, weil da tausend Millionen Sachen drin sind, die wir einfach machen können.

Die besondere Belastung für Mütter

Und das ist ja an sich ja eigentlich schon schlimm genug. Aber was noch passiert ist in den letzten Jahrzehnten, ich bleibe mal bei uns Muddys, ja, wir sind ja auch im Mensch-Muddy-Podcast, vor allem wir Alleinbegleitenden oder die, die sich alleinerziehend fühlen, davon gibt es ja auch eine ganze Menge, Wir haben unglaublich viel Mental Load auf unseren Schultern lassen, in unserem Gehirn. Es sind unglaublich viele Anforderungen, die dieses Basic-Leben, was wir tagtäglich gewuppt kriegen müssen, einfach mit sich bringt. Es wird einfach immer herausfordernder, alles unter einen Hut zu kriegen. Und Zeit für Pausen, für richtiges Entspannen, die gibt es einfach echt nicht. Nicht, wenn wir uns nicht wirklich Pausen auch wirklich einplanen. Und ich meine damit so richtig echte Entspannung.

Ja, die hatte ich vielleicht im letzten Leben. Nein, mittlerweile nicht mehr. Aber ich erinnere mich an Momente, wo ich mich so gefühlt habe, als hätte ich echte Entspannung in meinem letzten Leben gehabt. Und wir sind in so einer Einstellung, wo wir auch so lapidar dahin sagen. Ist halt so ein witziger Spruch. Na, ha, schlafen, tja, können wir, wenn wir tot sind. Aber es ist essentiell wichtig für uns, dass wir genug Schlaf bekommen und dass wir uns entspannen. Weil wir eben durch unseren Lebensstil, durch all das, was das Leben von uns fordert, sind wir erschöpft. Wir sind fix und fertig.

Der Teufelskreis der Betäubung

Und was machen wir, wenn wir erschöpft und fix und fertig sind? Wir fallen abends auf die Couch, wenn die Kinder im Bett oder in ihrem Zimmer sind, und zücken das Handy. Am besten noch mit diesem typischen, das habe ich mir jetzt ja wohl verdient, Glas Wein in der einen Hand, die andere Hand tief drin in der Chips-Tüte. Und da liegen wir dann und denken nur, lass mich alle in Ruhe, ich kann nicht mehr. Und schon beim nur drüber reden, merke ich, wie viel Energie mir das gegeben hat, als ich da auch noch drin gehangen habe. Nämlich gar keine. Im Gegenteil, wir fühlen uns, wenn wir das so leben, so ausleben, noch ausgelaugter als vorher.

Und wir fühlen uns nicht nur noch ausgelaugter und noch erschöpfter, als wir sowieso vorher schon waren. Es kommen auch noch so Gefühle dazu wie Scham oder dass wir Reue empfinden, dass wir wieder nur auf der Couch abgehangen haben. Wir fangen an, unsere innere Stimme, unser innerer Kritiker fängt an, uns selber fertig zu machen. Mist, jetzt habe ich schon wieder hier auf der Couch abgehangen, statt ich hatte mir doch vorgenommen, abends mal eine halbe Stunde Yoga zu machen. Oder ich hatte mir doch vorgenommen, mit Journalen anzufangen. Ich wollte mir die Ideen endlich mal aufschreiben, die ich habe, weil ich ja vielleicht davon träume, weil du ja vielleicht davon träumst, dich mit einem Nebengewerbe selbstständig zu machen, ein kleines Business aufzubauen, irgendwas in deinem Leben zu verändern, vielleicht die Ernährung umzustellen, weniger Bildschirmzeit zu haben, mehr Sport zu machen, nicht jeden Abend Alkohol zu trinken oder vielleicht spielst du mit dem Gedanken, dich von deinem Partner zu trennen, der ja eh nicht präsent da ist. Whatever it is.

Die Übung: Aktives Nichtstun

Und da habe ich jetzt heute was mit dir vor. Ich möchte mit dir aktiv nichts machen. Nicht lange, wir starten heute mal mit wirklich nur ein paar Minuten. Ich nenne es das aktive Nichtstun, weil wir uns ganz bewusst die Zeit nehmen, nichts zu tun. Fünf Minuten. Und ich weiß, dass der erste Impuls, wenn man das so hört, wir machen fünf Minuten nichts, dass wir sagen, und, was soll daran schwierig sein, ist doch easy, dann lade ich dich, wenn du diesen Gedanken hattest, gerade besonders dazu ein, hier jetzt mitzumachen.

Ich habe kürzlich einen Vortrag in einem Unternehmen halten dürfen und da war die Reaktion vor der Übung, als ich gesagt habe, wir machen das jetzt zusammen, wir machen ein paar Minuten nichts, war die Reaktion halt wirklich von allen, ja. Und? Wo ist das Problem? Und die Rückmeldung danach war aber, krass, ich wollte sofort zur Tastatur greifen. Also es war ein Vortrag, wo die Menschen sich aus ihren Büros zuschalten konnten. Das heißt, die haben an ihrem Arbeitsplatz gesessen. Und der Impuls war, trotz dieser Übung zur Tastatur zu greifen, um doch nebenbei noch mal kurz die Mails zu schicken. Der Impuls war da, kurz das Handy in die Hand zu nehmen, um zu sehen, ob nicht doch jemand gerade was geschrieben hat. Also das ist sehr, sehr spannend, wie wir da schon so konditioniert sind auf den Griff zu den Dingen, die uns ablenken von uns selbst.

Also ich lade dich ein, dich mal darauf einzulassen und mir hinterher super gerne in die Kommentare zu schreiben, wie es sich für dich angefühlt hat. Und bevor du jetzt sagst, nee, kann ich nicht, mein Kind ruft, ich habe noch Wäsche zu tun oder sonst was im Haushalt oder oder. Ja, willkommen im Club der überlasteten Muddys, haben wir alle. Niemand hat heutzutage Zeit dafür. Wir müssen uns Zeit zum Nichtstun aktiv nehmen.

Und falls du gerade Auto fährst, mach die Übung nicht mit, kannst du ja gerade nicht. Du machst ja was, du fährst Auto, du kannst die Übung später zu Hause machen oder wenn du gerade im Auto unterwegs sein solltest, kannst du natürlich auch mal nichts tun, indem du dich nicht beim Autofahren bescheilst mit Radio oder dem Podcast oder was auch immer. Also man kann auch im Auto üben, nur Auto zu fahren und sonst nichts zu tun. Ist nicht ganz so nichts tun wie das Nichtstun, was ich meine mit dem, was wir jetzt gleich machen. Aber es geht schon ein bisschen in die Richtung. Ansonsten hör gerne weiter mit zu. Mach die Übung später zu Hause.

Warum fällt uns Nichtstun so schwer?

Bevor wir gleich starten, mag ich dir noch ein paar Infos mitgeben. Warum fällt es uns denn überhaupt so schwer, einfach mal nichts zu machen? Und das ist relativ simpel, weil es bist nicht du, die undiszipliniert ist, die sich nur mal zusammenreißen müsste, dann würde das schon funktionieren. sondern es liegt daran, dass wir alle unsere Nervensysteme, dass wir überreizt sind. Wir sind dann super schnell im Autopiloten, unserer Gelernten, und das sind leider oft ungesunde oder dysfunktionale Verhaltensweisen. In diesem Autopiloten greifen wir zu dem, was sofort verfügbar ist, weil es eben seit Wochen, Monaten, Jahren sofort verfügbar ist. Und vor allem, weil es zumindest kurzfristig ja auch wirklich schnell hilft.

Also scrollen, snacken, das Glas Wein, die Serie, shoppen, tausend Tabs im Kopf offen. Das gibt uns kurz so ein Gefühl, als würde uns die Überlastung genommen werden. Das Problem ist aber, dass es das gar nicht tut. Das sind zwar schnelle Kicks, die so ein kurzfristiges Gefühl geben, das ist aber wie ein Pflaster auf eine offene Wunde zu kleben. Das macht vielleicht kurz ein Gefühl von, ja, das ist gut, aber danach fühlen wir uns noch leerer, noch gereizter, sind noch viel weniger bei uns, als wir es vorher waren.

Das Problem mit produktiven Pausen

Und jetzt kommt der Punkt, der wichtig ist, vor allem, wenn du eine Frau bist, die den Laden des Lebens, des Alltags am Laufen hält. Wir leben ja auch in einer Kultur, in der Pausen eigentlich nur dann akzeptiert sind, ich meine, es ändert sich zum Glück ein bisschen, aber noch nicht so ganz. wenn sie produktiv sind. Das heißt, in unseren Pausen sind wir angehalten, zum Yoga zu gehen, eine Breathwork-Session zu machen, Eis zu baden, zu journalen, zu meditieren. Das ist ja auch alles nicht verkehrt. Das hat alles ja auch total super Auswirkungen. Aber es ist eben oft doch wieder ein, ich habe jetzt Freizeit, ich muss etwas tun. Es ist wie so eine heimliche Leistung, die so dahinter steckt. ich entspanne jetzt richtig und zack bist du dann wieder in seinem optimierungsmodus den aktives nichts tun einfach nicht hat und nicht braucht ja es funktioniert anders aktives nichts tun ist das gegenteil es gibt kein ziel es gibt kein ich muss danach besser drauf sein ich muss mich danach besser fühlen sondern es ist einfach nur ein ich halte mich einfach mal ein paar minuten aus ohne irgendwelches anderes Gedöns. Mehr ist es nicht. Nur das. Und nur in Tüdelchen tatsächlich, ja.

Die wissenschaftliche Grundlage

Und ich mag dir auch gerne noch kurz erklären, warum das nichts ist, was ich mir jetzt irgendwie ausgedacht habe oder an den Haaren herbeigezogen ist, warum das wirklich wirkt. Zum einen ist belegt, dass kurze Pausen wirklich helfen. Es gibt eine große Meta-Analyse zu sogenannten Micro-Breaks, also Minipausen. Pausen zwischen Aufgaben, die man so am Tag zu erledigen hat und die zeigen im Schnitt des Mikro-Breaks das Wohlbefinden verbessern, dass sie unsere Energie erhöhen und unsere Müdigkeit reduzieren können. Die Leistungseffekte sind je nach Aufgabe unterschiedlich, aber fürs Runterkommen sind diese Mini-Pausen, Mikro-Breaks valide.

Außerdem hat das Gehirn so was wie ein Leerlaufmodus. Also wenn du nicht ununterbrochen im Außen bist, dann läuft innen ein Netzwerk an, das unter anderem mit Erinnerungen, mit Planen, mit Selbstbezug zu tun hat und das ist normal. Und manchmal, klar, kommt dann auch der ganze innere Zirkus, der sich erstmal unangenehm anfühlen kann, aber je öfter wir uns wieder erlauben, in diesem Leerlauf zu sein, desto besser fühlt sich das mit der Zeit auch an und desto wohltuender ist es für unseren gesamten Organismus.

Und das Dritte, es gibt ja seit Jahrzehnten auch schon Forschung dazu, dass der Fokus ermüdet, wenn du dauernd gerichtete Aufmerksamkeit brauchst. Also wenn du ständig konzentriert, kontrolliert, organisiert, irgendwas rumnavigierst. Und dass bestimmte Erfahrungen, zum Beispiel Aufenthalte in der Natur oder sowas wie aus dem Fenster schauen, das heißt Soft Fascination, dass das helfen kann, diese Aufmerksamkeit wieder zu erholen, dass es dir einfach danach wieder besser gelingt, weil der Fokus, wenn er ermüdet ist, einfach eine Pause braucht. Und diese Pause macht halt Sinn, nicht mit irgendetwas anderem zu füllen, sondern in dieser Pause wirklich aktiv nichts zu tun.

Nichtstun als Wartung für Körper und Geist

Was heißt es jetzt konkret, dass wenn dein Alltag ein dauerndes Ich-muss-noch-schnell ist, dann ist ein kurz, aktiv, nichts tun kein Luxus, auch wenn sich das vielleicht erstmal so anfühlt, weil du dir dafür irgendwie Zeit freischaufeln musst. Es ist, ja, vielleicht hilft es dir, das als eine Form von Wartung zu sehen. Ja, wir geben uns, unseren Körper, unseren Geist in die Wartung, in die Inspektion. Das machen wir mit unseren Autos oder anderen Geräten ja auch. Ich hatte jetzt kürzlich zum Beispiel meine beiden Nähmaschinen in der Wartung, weil sie mal gewartet werden müssen, jetzt laufen sie wieder besser. Also sie ist einfach so, dass das für dich und deinen Körper eine Form von Wartung ist, die dir hilft, danach wieder besser zu laufen.

Die fünf Kernpunkte der Übung

Ich mag dir jetzt noch die Kernpunkte der Übung an die Hand geben, damit du weißt, was hier gleich passiert. Also erstens, Nichtstun ist nicht Passivität. Es ist eher eine Entscheidung. Also Nichtstun oder aktives Nichtstun heißt, ich entscheide mich bewusst gegen den Autopiloten, gegen den Reflex, der mich sofort wieder dazu anstiften will, mich mit irgendetwas abzulenken.

Okay, der zweite Kernpunkt ist, es darf sich und es wird sich sicherlich am Anfang unangenehm anfühlen. Ja, wenn Ruhe grundsätzlich für dich auch eher ungewohnt ist, dann fühlt sich das nicht sofort nach Wellness und Spa und super geil an, sondern eher nach, oh Gott, was kommt jetzt? Und das ist kein Zeichen, dass du irgendwas falsch machst. Das ist ein Zeichen, dass du überlastet bist, dass du sonst dich viel betäubst. Und das ist einfach der erste Schritt jetzt ist in eine Veränderung, die darf sich dann erstmal auch uncool anfühlen. Ist okay.

Der dritte Kernpunkt, es geht nichts darum, irgendwas zu leisten oder irgendwas zu lösen. Es dürfen Gedanken kommen, du musst denen nicht folgen, du kannst denen folgen. Wir sind hier ja nicht in der Meditationsübung oder in der Achtsamkeitspraxis, wo es darum geht, seine Gedanken zu kontrollieren. Wir sind hier ganz simpel im Leerlauf. Wir fangen an, Langeweile wieder zu lieben.

Punkt 4, und das ist wichtig, du hast die Kontrolle. Du kannst jederzeit sagen, ist nichts für mich, ich lasse es jetzt. Ich höre auf mit dem Scheiß. Was soll das hier? Du kannst auch die Augen offen lassen, du kannst dich bewegen, du kannst einen Punkt fixieren mit den Augen. Also du musst hier niemandem beweisen, dass du besonders gut entspannen kannst oder dass du diese Übung ganz besonders toll machen kannst. Es ist hier kein Wettkampf, es gibt kein Ziel, es gibt kein Besser und kein Schlechter.

Und damit sind wir auch schon beim fünften Punkt. Wir haben kein Ziel. Ziel ist auch nicht glücklicher zu sein danach. Vielleicht haben wir doch ein Ziel. Das Ziel ist, in dieser Zeit eine Präsenz zu erreichen. Wir machen das nicht, um sofort happy zu sein. Wir machen das einfach, um wieder da zu sein, um ein Gespür für uns wieder zu bekommen. Und vor allem auch, damit du in diesem Autopiloten, in dem wir unterwegs sind, der Betäubung statt der Bewusstheit, dass du eine Wahl hast, dass du entscheiden kannst, wenn dieser Autopilot, wenn dieser Reflex wieder reinkickt, dass du entscheiden kannst, brauche ich das jetzt wirklich? Oder was bräuchte ich vielleicht stattdessen?

Die versteckten Bedürfnisse erkennen

Denn hinter diesem Impuls nach sofortiger Ablenkung und dem Griff zum Handy oder auch während der Übung diesem Gefühl, jetzt sofort unbedingt den Geschirrspüler ausräumen zu müssen oder die Wäsche zusammenlegen zu müssen oder mein Gott, wie sieht das Fenster aus? Das muss ja schon seit Ewigkeiten mal wieder geputzt werden, das mache ich jetzt. Also hinter diesen Gefühlen jetzt was anderes machen zu wollen als einfach mal nichts, liegt ja immer ein Bedürfnis. Und um an dieses Bedürfnis ranzukommen, um das überhaupt erstmal identifizieren zu können, um das zu tun, was wir eigentlich bräuchten, dürfen wir uns einen Raum schaffen, da überhaupt mal hinzufühlen und das machen wir mit dieser Übung.

Die praktische Übung: 5 Minuten aktives Nichtstun

Okay, 5 Minuten. Ich stelle einen Timer. Ich sage dir Bescheid. Du darfst dich jetzt auf die Übung vorbereiten. Also mach gerne kurz Pause, wenn du magst. Setz dich irgendwo hin, leg dich irgendwo hin. Völlig egal, wo du dich gut fühlst. Ich hole mal meinen Timer raus. Und dann legen wir los. 5 Minuten. Und wir starten jetzt.

Einfach so, wie du jetzt bist. Wo du sitzt, wo du liegst oder vielleicht stehst du auch völlig in Ordnung. Kannst aus dem Fenster schauen. Kannst auch, wenn es dir leichter fällt, dir einfach einen Punkt suchen in dem Raum, in dem du bist, auf den du schaust. Du kannst dich aber auch einfach wirklich umschauen. Es geht einfach wirklich darum, nichts zu tun. Du kannst eine Hand auf deine Brust, auf deinen Brustkorb legen oder auf den Bauch. Und wir machen einfach nichts.

Du kannst dir zum Start, zum Einstimmen jetzt auch nochmal die Erlaubnis geben, dass du sagst, ich erlaube mir jetzt gar nichts zu machen. ich mache jetzt gar nichts wenn du einen Impuls hast dich zu bewegen, kannst du das machen setz dich anders hin beweg dich ruhig, das ist okay aber es geht einfach darum dich dem Nichtstun hinzugeben und vor allem auch zu merken, ob da Impulse sind, irgendetwas tun zu wollen, statt hier einfach mit mir ein paar Minuten zu sein.

Vielleicht sagst du easy, vielleicht fällt es dir leicht, vielleicht ist es bis jetzt schon herausfordernd. Ich bin gespannt, wie es dir damit geht. Der Timer läuft noch.

Interessanter Sound.

Nach der Übung: Reflexion und Erkenntnisse

Das waren fünf Minuten. Und mich interessiert wirklich, wem ist es viel länger vorgekommen? Wer hatte Schwierigkeiten, dem Impuls wie zum Handy zu greifen oder aufzustehen oder doch schnell noch irgendwas zu tun, zu widerstehen?

Du kannst diese Übung, wenn du jetzt das Gefühl hattest, das war schon hart, das war knackig, kannst du sie natürlich auch verkürzen. Fang mit zwei Minuten an oder fang mit 60 Sekunden an. Alles, was wir uns an aktiver Nichtstunzeit gönnen, ist eine Wohltat für uns. Und es wird uns mit der Zeit immer leichter fallen, die Intervalle zu verlängern.

Wenn du magst, trink einen Schluck Wasser, mach das Fenster auf, wasch dir gleich das Gesicht oder mach dein Lieblingsgetränk. Oder mach einfach weiter nichts gleich. Mach weiter damit. Auch das ist natürlich erlaubt. Und wir können uns auch abschließend diesen Satz nach so einer Übung nochmal sagen. Ich darf nichts tun. Ich darf nichts tun. Und das fühlt sich gut an.

Warum unser Gehirn sich wehrt

Ja, vielleicht hast du es jetzt als angenehm empfunden, vielleicht als unangenehm. Vielleicht hast du zwischendurch gedacht, was für ein Scheiß. Sehr wahrscheinlich warst du zwischendurch irgendwie genervt. Und wenn du gedacht hast, was soll das bringen? Oder ich tendiere auch dazu, bei so kurzen Übungen dann doch auch zu denken, ach, fünf Minuten bringt ja gar nichts, dann ja, herzlich willkommen. Das ist oft der Moment, in dem unser Gehirn versucht, uns zunächst wieder in unseren alten Film reinzuziehen. Weil eben gerade dieses aktive Nichtstun keine schnelle Belohnung gibt. Kein Knall, kein Kick, kein Aha-Feuerwerk. Wie wir es uns aber tausendmal am Tag durch andere Quellen holen, die eben schnell verfügbare Ablenkungen innehaben.

Kurz Videos, Chatten, Gaming, Online-Shoppen, aber auch Alkohol, Junkfood. Das belohnt uns innerhalb von Millisekunden, weshalb wir es auch so geil finden. Aber es macht eben, dass unser Belohnungssystem, dass unser Dopaminhaushalt, dass das schnell hochschießt und dann aber natürlich auch schnell und doll wieder abstürzt. Deswegen fühlen wir uns nach diesen Geschichten, wie diese dysfunktionalen und ungesunden Verhaltensweisen, meistens beschissen. Und wir dürfen wieder lernen, dass wir unser Belohnungssystem auch anders befriedigen können, so wie wir es früher ja auch gemacht haben. Und das ist nachhaltiger, weil wir dann eben diese krassen Abstürze danach nicht haben. Es ist aber eben für die meisten von uns erstmal ungewohnt und fühlt sich komisch an. Und das ist normal.

Drei Schlüsselmomente für aktives Nichtstun im Alltag

Wie kannst du es jetzt in deinem Alltag integrieren? Also es gibt meiner Meinung nach drei Momente, wo dieses aktive Nichtstun, auch wenn es nur eine Minute ist, dir in deinem Alltag unglaublich helfen kann. Und das ist einmal an dieser Feierabendschwelle, also dieser Moment, bevor du auf die Couch fällst mit Wein und Handy und Serien und Shopping und was auch immer du da tust. Vorher einmal sagen, ich mache vorher aktiv mal nichts.

Gut helfen kann es auch nach Konflikten. Also wenn du einen Streit mit deinen Teenies hattest oder mit deinem Partner oder mit deinem Ex oder wenn es eine schwierige Situation in der Schule gab oder eine dieser WhatsApp-Gruppen der Hölle dich genervt hat. Nicht in diesem Frust darüber und in diesem Brass, den du vielleicht hast, dich ablenken, indem du das Handy nimmst und dich dadurch einfach nur betäubst, sondern auch da aktiv dir die Zeit des Nichtstuns einmal zu nehmen. um auch nochmal sacken zu lassen, was da gerade passiert ist.

Und sehr gut helfen kann es auch, gerade wir allein begleitenden Muddys kennen es, glaube ich, sehr, sehr gut, diese Einsamkeitsmomente. Wenn, ja, besonders abends ist es bei mir so, wenn alles still wird, wenn ich plötzlich wirklich merke, okay, ich bin alleine, ich fühle mich gerade einsam, Auch dann kann aktives Nichtstun helfen, mir die Erlaubnis zu geben, das zu spüren, das zu fühlen, weil es okay ist, das zu fühlen, statt mich abzulenken und mir schnelle Kicks zu holen, die machen, dass ich mich hinterher noch viel einsamer und unwohler fühle als vorher.

Den entscheidenden Moment erwischen

Es gibt vor diesen Situationen immer so einen klitzekleinen Moment, bevor dieser Autopilot losjagt. Und den dürfen wir erwischen. Und wenn wir den erwischen, ein paar Minuten nichts tun vorwegsetzen, das ist wirklich Gold wert.

Und ich sage es dir ganz klar, wir Muddys, wir sind alles andere als schwach. Wir sind ja die, die alles zusammenhalten. Wir sind diejenigen, die den Mental Load haben. Wir sind die, die die Care-Arbeit machen. Wir sind die, und dazu habe ich auch schon einen Podcast gemacht, gerade unsere Generation, die immer nett sein musste, die sich immer zusammenreißen musste, die immer alles richtig machen sollte, die bloß nicht auffallen sollte. Das hat ja einen Hintergrund, warum gerade wir auch so anfällig dafür sind. Und wir wundern uns, dass wir abends keine Kapazitäten mehr haben. Wir wundern uns, dass wir keine Kapazitäten haben, bewusster zu sein. Es ist aber erklärbar. Es hat eben mit unserer Reise, mit unserer Vergangenheit auch zu tun. Und ich verlinke dir gerne nochmal den Podcast über die Generationenproblematik sozusagen, aus der wir kommen.

Die politische Dimension des Nichtstuns

Aktives Nichtstun ist kein neuer Lifestyle. Ich möchte es zumindest nicht so darstellen. Es ist eigentlich nur ein Gegenmittel gegen diese Dauerbetäubung. Und das ist tatsächlich ja auch was Politisches. Ja, unsere Gesellschaft möchte uns abhängig machen von Konsum und unsere Gesellschaft hat auch kein Interesse daran, dass wir in unsere ganze Kraft kommen, dass gerade wir Frauen in unsere ganze Kraft kommen. Könnte ja anstrengend werden, wenn du jetzt Energie hättest, den Mund aufzumachen. Wenn du aufstehen würdest, laut werden würdest für deine Werte, deine Vision, ist ja viel bequemer, dich auf der Couch zu wissen. Im Autopiloten-Betäubungsmodus, schön am Konsumieren von Zeugs, das dir nicht gut tut und das du in Wahrheit auch einfach überhaupt nicht brauchst.

Ausblick auf die nächste Folge

Wenn du jetzt zwischendurch an irgendeinem Punkt gedacht hast, okay, krass, ich betäub mich echt ganz schön oft. dann bist du genau da, wo wir nächste Woche weitermachen werden da geht es darum, woran du merkst dass du dich betäubst, statt bewusst zu sein also abonnier total gerne den Podcast damit du die Folge nicht verpasst aktivier das Glöckchen, teile die Folge gerne mit der Mutti die Pause auch nur noch von damals aus der Schule kennt und ich freue mich, wenn wir uns in der nächsten Woche wiederhören Bis dahin, alles Liebe, deine Inga.

Das war Mensch, Mutti. So schön, dass du dabei warst.

# 26 – Aktives Nichts tun

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