Inhaltsverzeichnis
Im Transkript mitlesen:
Handy-Stress mit Kids:
Leg das Handy weg. Wahrscheinlich kennst du diesen Satz. Leg bitte jetzt das Handy weg. Und fünf Minuten später hängt das Kind und manchmal auch wir selbst wieder im Kurzvideo-Sog oder wo auch immer auf jeden Fall in und an unserem Handy.
Worum es heute wirklich geht
Darum geht es heute. Nicht um Schuld, sondern um unser Gehirn. Weil Social Media ja so gebaut ist. Nicht nur Social Media, auch viele Spiele, die unsere Kids zocken, die auch Erwachsene zocken. Es ist so gebaut, dass wir bleiben, dass wir immer wieder kommen wollen. Ja, die Kids genauso wie wir Großen.
Und wenn wir aber verstehen, was in unserem Gehirn eigentlich passiert und dass das alles überhaupt gar nichts mit, ich reiße nicht mal zusammen und Willenskraft zu tun hat, dann kannst du zu Hause Stress rausnehmen und neue Regeln fair und hoffentlich gemeinsam klären, Erklären, umsetzen mit deinem Kind und vorleben. Und das bringt Harmonie und Entspannung und tatsächlich auch Spaß.
Herzlich willkommen bei Mensch, Muldig. Dein Podcast für einen sober Lifestyle.
Das Handy-Thema ist überall
Ja, die Sache mit dem Handy, mit dem Smartphone, mit der Zeit, die wir daran verbringen. Das ist ein Dauerbrenner-Thema an Schulen, genauso wie zu Hause in jeder Familie mit Kindern, die ein Smartphone besitzen.
Warum Kurzvideos so krass wirken: variabler Belohnungsplan
Und es ist ganz wichtig zu verstehen, was diese Kurzvideos, die ja oft und meistens von unseren Kids konsumiert werden, auch von uns konsumiert werden, was die überhaupt in unserem Gehirn machen. Das hat nämlich was mit unserem Belohnungssystem zu tun, mit unserem Belohnungssystem im Gehirn.
Ja, also ob es jetzt Reels sind oder Shorts oder TikToks, die arbeiten nach einem Belohnungsplan, nach einem variablen Belohnungsplan. Ja, also wir scrollen da durch und dann sehen wir was Lustiges und dann sehen wir was, wo wir sagen, ah, interessant, das war jetzt wirklich informativ. Und dann sehen wir was, wo wir denken, so, hä, will ich nicht und dann scrollen wir weiter.
Und was passiert ist, dass unser Gehirn die ganze Zeit in so einem Spannungsmodus bleibt und die ganze Zeit denkt, ah, gleich kommt was Gutes, gleich kommt was Gutes, also gleich kommt wirklich bestimmt was Gutes. Und das ist ein Trigger für unsere Dopaminausschüttung im Gehirn.
Dopamin: Haben-Wollen schlägt Genuss
Dopamin, das ist ein Botenstoff, ein Neurotransmitter im Gehirn und der ist für das Gefühl des Haben-Wollens zuständig. Also wenn wir was haben wollen, dann liegt es an Dopamin, was ausgeschüttet wird.
Und was wichtig zu verstehen ist und was auch ein bisschen perfide ist eigentlich, ist, dass dieses Haben-Wollen stärker ist als der eigentliche Genuss, der dann theoretisch folgen würde. Darum geht es ja eigentlich, denn wenn wir was haben wollen, dann arbeiten wir auf etwas hin, was wir haben wollen.
Beispiel Shopping: Vorfreude hoch, Auspacken runter
Aber ein gutes Beispiel ist, glaube ich, wenn wir was shoppen wollen. Im Internet zum Beispiel. Ich meine, Black Friday steht vor der Tür. sind wir alle nicht ganz gefreit von, nehme ich an.
Wir sehen was im Internet, wir schleichen drumherum. Oder es muss auch gar nicht im Internet sein. Es kann auch in der Mall sein, wo auch immer, dass wir in einem Geschäft sind, wo wir was sehen. Wir schleichen drumherum und wir merken, wir wollen das echt haben. Und das ist ein gutes Gefühl.
Und dann entscheiden wir uns irgendwann, dass wir das kaufen und dann bestellen wir es vielleicht. Oder wir nehmen es aus dem Laden mit und dann, wenn wir es bestellen, kriegen wir ein Paket nach Hause geliefert. Wenn wir es im Laden kaufen, dann gehen wir mit einem Tütchen nach Hause und packen es dann zu Hause aus.
Ja, also bis dahin ist es alles noch die Vorfreude, das Haben, Wollen. Und dann in dem Moment, wo ich es aus der Tüte zu Hause rausnehme oder wo ich zu Hause das Paket öffne, der Moment, wo wir es ausgepackt haben, wo wir es in der Hand halten, sinkt dieses gute Gefühl sofort ab. Ja.
Warum Sucht entsteht: Level immer höher, Verfügbarkeit immer leichter
Und es ist auch diese Dopaminausschüttung, dieses Haben-Wollen, dieses Gefühl des Verlangens, die Schuld daran ist, dass Menschen süchtig werden. Weil wir auf dieser Suche nach Lust gewinnen, ein immer noch höheres Level erreichen wollen und in unserer heutigen Gesellschaft das auch relativ leicht können. weil einfach so viele Dinge so leicht verfügbar sind, unter anderem am Handy, dass wir weitermachen, dass wir weiter wischen, weiter scrollen, noch ein Video, noch ein Video, noch ein Beitrag im Feed ansehen, noch eine Runde zocken, noch einen Online-Shop nach Schnäppchen durchforsten. Das ist das, was in unserem Gehirn funktioniert.
Warum es bei Kindern stärker ist: exekutive Funktionen reifen noch
Und dieser Effekt ist bei Kindern noch ausgeprägter, Weil die haben noch keine ausgereiften exekutiven Funktionen. Also die exekutive Funktion ist sozusagen die Bremse, unsere Fähigkeit, uns selber zu kontrollieren. Das ist bei Kindern, bis sie 25 Jahre alt sind, noch im Reifen.
Kurzvideos setzen Aufmerksamkeit und Selbstkontrolle unter Druck
Und was machen diese Kurzvideos? Gerade diese Kurzvideos sind halt etwas, worauf ich mich hier heute fokussieren werde, weil das meiner Erfahrung nach mit meinen Kindern das ist, was sie am meisten einsaugt, sozusagen.
Sie setzen unsere Aufmerksamkeit und sie setzen unsere Selbstkontrolle unter Druck. Ja, diese Kurzvideosuchtneigung, die hängt mit einer schwächeren exekutiven Kontrolle und mit mehr Ablenkbarkeit zusammen.
Die exekutive Kontrolle meint eben diese ganzen kognitiven Prozesse, die unser Verhalten, unser Denken ganz bewusst steuern, die es uns überhaupt erst ermöglichen, irgendetwas zielgerichtet zu tun, zielgerichtet zu handeln. Das ist sozusagen unsere Fähigkeit zur Selbstregulation, unsere Impulskontrolle.
Das sind ganz essentielle Funktionen für Zielerreichungen in schwierigen Situationen. Wir können damit Handlungen planen, wir können unser Leben organisieren, wir können das, was wir geplant haben, überwachen und auch anpassen, wenn es vielleicht nicht so gut läuft.
Zwei Richtungen: anfälliger sein – oder anfälliger werden
Und da gibt es dann zwei Seiten, weil es gibt eben Menschen, die von vornherein eine schwächere exekutive Kontrolle haben und die sind anfälliger.
Und auf der anderen Seite, wenn wir eigentlich vielleicht auch eine ganz gut ausgeprägte exekutive Kontrolle haben, aber wir viel Kurzvideos konsumieren, dann kann das die exekutive Kontrolle schwächen.
Und wer sowieso schon eine geschwächte exekutive Kontrolle hat, der kann halt noch doller geschwächt werden, sozusagen. Beides ist wissenschaftlich belegt und das ist einfach wichtig zu wissen, weil es nichts mit einer Charakterschwäche zu tun hat.
Nicht “Schweinehund”, sondern Biologie
Das hat nichts damit zu tun, dass der Schweinehund zu groß ist, dass wir uns nur mal zusammenreißen müssten und dann funktioniert das schon. Ganz so einfach ist das nicht.
Und das ist so wichtig zu verstehen, weil es eben viel Entspannung in dieses Konfliktpotenzial bringt, gerade mit Teenagern im Haus zu Hause, wenn man das eben weiß, dass diese exekutiven Funktionen, sozusagen diese Chefetage im Gehirn, dass die für die Impulskontrolle zuständig ist.
Was alles zur exekutiven Kontrolle gehört
Also das, was uns dann sagen würde, okay, ich mache hier jetzt nicht weiter. Das ist aber auch unser Arbeitsgedächtnis, ja, also was wollte ich gerade? So, dieses, ich kann mich nicht erinnern, was ich eigentlich tun wollte.
Oder auch die kognitive Flexibilität, dass man sagt, okay, ich höre hier jetzt auf, Ich mache jetzt was anderes und vor allem eben auch diese Selbstregulation. Ich bleibe bei meinem Ziel, ich nehme das Handy nicht in die Hand. Ich mache jetzt weiter mit dem, was ich mir eigentlich vorgenommen habe.
Präfrontaler Kortex: empfindlich für Stress, Müdigkeit, Überreizung
Und diese Funktionen, die sitzen halt in unserem Gehirn im präfrontalen Kortex und die sind empfindlich gegenüber Überreizung, gegenüber Müdigkeit, gegenüber Stress, gegenüber Dauerbeschallung.
Wer ist besonders gefährdet?
Das heißt, es gibt Menschen, die von Natur aus eine schwächere exekutive Kontrolle haben. Und das sind entwicklungsbedingt Kinder und Jugendliche. Weil eben der prifontale Kortex reift, bis die Menschen ungefähr 25 Jahre alt sind.
Das bedeutet, dass Kinder, Teenager, rein biologisch einfach weniger Selbstkontrolle haben als Erwachsene. Sie sind anfälliger für diese Dopamin-Kicks, die wir ja bekommen, wenn wir im Handy unterwegs sind. Und sie können einfach dadurch schlechter stoppen.
Gar nicht, weil sie aufmüpfige Teenies sind, die nicht machen wollen, was wir sagen, sondern weil sie es rein biologisch nicht können. Ganz egal, wie oft sie Hör auf, Hör auf, Hör auf von der Muddi hören.
Und wir Mütter? Stress & Schlafmangel drücken die “Bremse” weg
Und die zweite Gruppe, die von Natur aus oder auch entwicklungsbedingt letztendlich eine schlechtere exekutive Kontrolle haben, sind Menschen, die über einen längeren Zeitraum unter Stress, unter Schlafmangel und unter Überlastung leiden.
Ja, also ich, du, fast alle Mütter. Stress und Schlafmangel reduzieren diese exekutiven Funktionen temporär und auch das ist messbar und wurde auch gemessen.
Und auch da ist das Ergebnis weniger Impulskontrolle, mehr Ablenkbarkeit und das Scrollen dann oft genutzt wird, weil sich das anfühlt wie ein Notausgang, raus aus der Überforderung, aus der Erschöpfung.
Auch wenn das letztendlich ein Teufelskreis ist, der uns auf Dauer nicht hilft, sondern der auf Dauer die ganze Situation noch schlimmer macht.
Was Meta-Analysen zeigen (und was sie nicht sagen)
Also jeder, der gestresst, der überfordert oder müde ist, hat automatisch auch weniger von dieser exekutiven Kontrolle im Gehirn. Und wenn wir dann konsumieren, Kurzvideos, dann kann eben die exekutive Kontrolle insgesamt auch verschlechtert werden.
Und das ist ein Punkt, der oft durcheinander gerät. Aber es gibt mittlerweile Meta-Analysen-Studien, die zeigen, dass wenn wir regelmäßig Shortform-Content, TikTok Reals Shorts, konsumieren, dann steht das in einem Zusammenhang mit geringerer Aufmerksamkeitsdauer, mit einer niedrigeren kognitiven Ausdauer, mit einer schwächeren Impulskontrolle und mit einer höheren Ablenkbarkeit.
Das bedeutet jetzt nicht, TikTok macht dein Gehirn kaputt, sondern es bedeutet, die Kurzvideos trainieren dein Gehirn und zwar auf diese schnellen Reize zu reagieren.
Und das bedeutet dann im Umkehrschluss, dass wenn langsame Reize kommen, also die Reize, die uns eigentlich evolutionär viel mehr entsprechen, die werden für uns immer schwieriger auszuhalten, weil wir sie als langweilig wahrnehmen.
Warum Kurzvideos so “perfekt” sind fürs Klebenbleiben
Die Kurzvideos sind eben kurz, reizstark, variabelbelohnend. Also unser Dopaminsystem wird gekickt, gekickt, gekickt, gekickt.
Sie sind vor allem auch endlos. Also wir können scrollen und scrollen und scrollen. Es hat kein Ende.
Und durch den Algorithmus sind sie auch noch personalisiert. Das heißt, das, was wir da gucken, ist in der Regel auch etwas, was uns irgendwie mehr oder weniger interessiert.
Das sind Mini-Mikrobelohnungen. Non-Stop.
Was dann im Alltag passiert
Und wenn wir das unserem Gehirn immer wieder geben und oft über einen längeren Zeitraum ununterbrochen, dann passiert nämlich, dass diese Schwelle für ich fühle mich belohnt steigt.
Das bedeutet, normale Aufgaben fühlen sich mehr und mehr langweilig an. Ja, kennt ihr bestimmt auch. Also ich kenne es auf jeden Fall.
Wenn meine Kinder ohne Handy sind, dann kommt ganz oft, ich weiß überhaupt gar nicht, was ich jetzt machen soll.
Das Aufhören fällt immer schwerer, weil es eben kaum etwas gibt, das ein ähnlich gutes Gefühl für den Moment macht.
Und das ist auch ganz wichtig zu verstehen, weil es ist wirklich ja nur für den Moment. Also in dem Moment, wo ich scrolle, fühle ich mich gut. Hinterher fühlt es sich bei fast allen Menschen nicht gut an.
Deswegen greifen wir immer wieder zum Handy, weil wir dieses, wenn wir jetzt das Handy dann weggelegt haben, Dieses Loch, in das wir dann fallen und diesen Moment von, oh mein Gott, ich weiß jetzt gar nichts mit mir anzufangen und alles andere fühlt sich absolut unbefriedigend an, weil wir das nicht aushalten können.
Außerdem verkürzt sich eben auch unsere Aufmerksamkeitsspanne. Fokussiertes Arbeiten über einen längeren Zeitraum wird immer schwerer.
Also ein Gesellschaftsspiel spielen oder ein richtiges, echtes Buch lesen zum Beispiel wird anstrengend.
Verstärker, nicht alleinige Ursache
Und dieser Kurzvideokonsum verstärkt die Probleme der Selbstkontrolle. Er verursacht sie nicht allein, aber er ist ein massiver Verstärker, vor allem eben für diese fragilen Gruppen, die da eh ein Defizit haben, wie zum Beispiel Kinder, Junge, Erwachsene bis 25 und wir mit Mütter am Limit.
Warum “Hör einfach auf” unfair ist
Und deswegen ist es total unfair, wenn wir zu unserem Teenager sagen, hör doch einfach auf, lass es einfach, leg es weg.
Diese Endlos-Feeds sind ja absichtlich so gebaut, dass man unendlich scrollen kann, dass man diese personalisierten Reize bekommt, dass sie sofort verfügbar sind.
Es ist im Prinzip so, als würde unser Gehirn, unser präfrontaler Kortex, der eben für Planung, für das Bremsen zuständig ist, dass der gegen ein System kämpft, das auf Sofortkick optimiert ist.
Und genau deswegen reicht Willenskraft eher selten oder ist halt sehr, sehr, sehr anstrengend.
Studie & Realität: Abendliche Smartphone-Grenzen
Und ich bin mir sicher, dass jede Mama mit einem Teenager zu Hause schon mal eine Auseinandersetzung wegen des Handykonsums hatte. Und das ja durchaus auch zu Recht.
Es gibt eine relativ neue Studie der Universität Genf, die ist aus diesem Jahr, also aus 2025. Und die hat gezeigt, dass Kinder, die abends ein Smartphone-Verbot haben, ich bin nicht für Smartphone-Verbote, aber die Studie ist trotzdem interessant, also Jugendliche, Kinder, die abends ein Smartphone-Verbot haben, die schlafen ca. 40 Minuten mehr pro Nacht und sind besser in der Schule.
Schwierig wird es halt, Verbote für Kinder durchzusetzen. Also vor allem, wenn es bisher keine Verbote gab und das Kind vielleicht schon 16 ist, ist es total schwer damit anzufangen zu sagen, gib mal dein Handy her, Du kriegst es jetzt abends nicht mehr.
Wenn Kinder noch jünger sind, kann man das total gut mit denen etablieren und einführen. Das ist prima.
Muddys first: erst wir, dann Regeln
Wichtig ist aber immer, dass wir Eltern, wir Mütter erstmal bei uns gucken müssen. Und wir müssen unseren Konsum selbst in den Griff bekommen.
Weil Kinder sagen schon, und ich durfte mir das durchaus schon anhören, du hängst doch auch andauernd am Handy. Und oft haben sie ja auch recht.
auch wenn mein am Handy hängen, meistens nicht Kurzvideos gucken ist, also eigentlich nie, sondern immer irgendwas anderes, aber ich bin am Handy, ich mach da irgendwas.
Und dann ist es ein Konflikt, der zu so einer Art Doppelmoraldebatte wird, weil er nicht mehr auf der Sachebene geführt werden kann, weil wir uns ja erwischt fühlen, weil wir auch erwischt wurden.
Und das ist auch okay. Wir dürfen in unsere Pflicht kommen. Wir dürfen erstmal unseren eigenen Konsum ehrlich anschauen und gucken, wie schwer uns das eigentlich fällt, das Handy aus der Hand zu legen.
Also, Muddys first. Eltern zuerst. Wie kommen wir raus aus dieser Dauerschleife rein in ein Bewusstsein?
Erster Schritt: Bewusstwerden (48-Stunden-Check)
Vielleicht ist der erste Schritt tatsächlich schon diese Folge, dieser Podcast, weil du vielleicht denkst, ich fühle mich so ein kleines bisschen erwischt, ist schon was dran. Also das wäre schon mal eine gute erste Bewusstwerdung.
Und wenn dem so ist und wenn du das Gefühl hast, ja, du möchtest gerne was verändern für deine Kinder, um auch gutes Vorbild zu sein, dann könntest du mal so ein 48-Stunden-Check machen.
Dass du zum Beispiel an deinem Handy mal die Bildschirmzeitberichte so einstellst, dass du alle 24 Stunden eine Info darüber bekommst, wie viel Zeit hast du eigentlich an deinem Bildschirm verbracht.
Oder wenn das nicht mit so einer Nachricht funktioniert, mit so einer automatisierten, kann man sich natürlich auch eine Erinnerung in den Kalender schreiben und dann einfach einmal aktiv nachschauen.
Bildschirmzeit im Handy hat jedes Smartphone, kann man gucken, wie viel Zeit war ich pro Tag am Handy, pro Woche am Handy und welche Apps sind es, mit denen ich die meiste Zeit verbringe.
Blindspots: wann greife ich – und warum?
Und dazu kann man sich dann, wenn man sich einmal einen Überblick verschafft hat, was sind da meine Blindspots sozusagen, was sind meine Apps, auf denen ich hängen bleibe, dass man sich auch überlegt, was sind denn die Momente, wann greife ich nach dem Handy.
Ist es immer, wenn es piept, ist es immer, wenn ich eine Nachricht bekomme, dass irgendwas an meinem Handy sich meldet, wäre vielleicht sowieso auch eine gute Idee, mal alle Benachrichtigungstöne auszuschalten, außer vielleicht bei mir zum Beispiel auch nicht immer, aber meistens ist es, dass wenn ich angerufen werde, dass dann mein Handy klingelt, alle anderen Töne sind bei mir zum Beispiel aus, mein Handy piept nicht und das mache ich ganz bewusst, weil ich gucke auf mein Handy, ob ich eine Nachricht bekommen habe, wenn ich Zeit habe, danach zu gucken.
Ich möchte mir nicht von meinem Handy diktieren lassen, wann ich auf mein Handy zu gucken habe, nur weil es gerade piept.
Also, wann greife ich nach dem Handy? Was ist die Situation? Und wofür tue ich das dann gerade? Was erhoffe ich mir davon?
Bei mir ist es tatsächlich oft ein Moment von Langeweile. Das sind Momente, wo ich gerne mal das Handy in die Hand nehme und meinen Instagram-Feed öffne.
Auch dafür gibt es noch Tipps und Tricks, was man tun kann, damit man das nicht tut. Ich brauche die bei mir, damit es funktioniert.
Und dann kann man sich auch nochmal überlegen, wie fühle ich mich denn danach?
Also wenn ich dann am Handy war und was auch immer ich da gemacht habe, wie fühle ich mich danach? Ganz ehrlich aufschreiben.
Ist es dann ein gutes Gefühl, wenn ich eine Stunde auf TikTok unterwegs war oder eine halbe Stunde auf Instagram oder, weiß ich nicht, zwei Stunden in Facebook?
Wie fühlst du dich danach?
Und wenn man diese Übung macht, dann wirken die, weil diese Bewusstheit schon dazu führt, dass unser Autopilot, in dem wir sonst so unterwegs sind, wenn es unseren Handy-Konsum angeht, dass der reduziert.
Und das ist halt ein erster Schritt gegen diese variablen Belohnungen, die auf Knopfdruck im Smartphone lauern.
Familienregeln: gemeinsam statt Kampf
Und was du dann machen kannst, ist, dass es Rules, Regeln gibt, die in der Familie aufgestellt werden.
Also überlegt dir oder nicht überlegt dir, sondern überlegt euch drei neue Familienregeln für Handy- und Smartphone-Konsum.
Und das ist ganz wichtig, dass man die gemeinsam, dass man sie miteinander aufstellt und dass sich dann auch alle daran halten.
Man kann zum Beispiel einen Mediennutzungsvertrag aufstellen. Wer sich nicht daran hält an die Vereinbarung, muss dann irgendwas für die Familie machen. Vielleicht kochen oder staubsaugen oder keine Ahnung was.
Wichtig ist, dass ihr das gemeinsam miteinander entwickelt, dass ihr nichts starr vorgebt und dass es auch nicht anmutet im Sinne von, das ist jetzt eine Bestrafung für die Kinder, die es nicht machen.
Es kann ja schon noch eine schöne Aufgabe sein, die man dann macht. Etwas, was zur Verbundenheit beiträgt, zum gemeinsamen Miteinander.
Und wichtig ist aber natürlich auch, dass auch wenn du dich nicht dran hältst, dass du dich genauso an die Aufgaben hältst, die dann zu tun sind.
Drei Regel-Impulse
Also was so rein könnte in diese drei Regeln als Impulse von mir, wäre zum Beispiel so ein abendlicher Puffer, dass man sagt, eine Stunde vorm Schlafen gehen, gibt es einfach keine Handyzeit mehr.
Oder man kann das natürlich auch weniger radikal sagen oder weniger radikal auslegen und sagen, eine Stunde bevor es ins Bett geht, gibt es keine Apps mehr, die diese Kurzvideoformate haben.
Ja, da kann man dann auch sagen, lass es uns einfach mal ausprobieren für 14 Tage. Kein, das machen wir ab jetzt so für immer, sondern wir probieren das mal aus für 14 Tage.
Gibt da eine Studie, die hat ergeben, Kinder, die das machen, schlafen 40 Minuten länger und sind besser in der Schule. Lass es doch mal ausprobieren. Scheint ja irgendwas dran zu sein.
Dann hat ein Handy in der Regel nichts im Schlafzimmer und nichts im Kinderzimmer zu suchen in der Nacht. Das heißt, ein fester Ladeplatz in der Küche, im Flur für alle sollte Pflicht sein.
kauft euch coole Wecker, ihr braucht das Handy nicht im Schlafzimmer.
Und ein dritter Impuls wäre vielleicht, dass man, ich bin kein Fan von Verboten, dass man vielleicht so App-Fenster sich schafft, ja, dass es eben nicht heißt, ich möchte nicht, dass du TikTok hast, ich erlaube dir die App nicht, sondern dass man vielleicht sagt, okay, du darfst TikTok für eine halbe Stunde jeden Tag, wenn du deine Hausaufgaben gemacht hast und wenn dann Ende, ist es Ende.
Ja, es gibt ja auch die Möglichkeit, das wisst ihr aber bestimmt auch alle, dass man über bestimmte Apps auch die Handyzeit, die App-Zeiten der Kinder-Handys regeln kann, dass dann automatisch auch nach, weiß ich nicht, 30 Minuten TikTok, TikTok für den Tag gesperrt ist.
Und wichtig ist aber eben, dass es die gleichen Fenster oder die gleichen Regeln auch für Eltern gibt.
Man kann natürlich sagen, ich bin älter, ich darf ein bisschen länger, aber auch für mich heißt es, vielleicht habe ich nicht eine halbe Stunde, sondern eine Stunde und danach geht es auch für mich aus.
Also das ist ganz wichtig.
Reize runterfahren statt Spaß verbieten
Bei all dem sollte im Vordergrund stehen, dass es nicht darum geht, Spaß zu verbieten, sondern dass es darum geht, Reize runterzufahren.
Und das kann man eben auch machen, indem man den Startbildschirm entmüllt. Ja, dass so Sachen, die wir attraktiv finden, von der ersten Seite runter sind zum Beispiel.
Dass man Apps in Ordnern organisiert.
Dann gibt es auch andere, also es gibt immer Apps, um mit den Apps klarzukommen. Ist auch ein bisschen schräg, aber manchmal auch hilfreich.
Es gibt zum Beispiel Apps, die machen, dass deine ganzen Icons, der Apps, die du auf deinem Handy hast, dass die diese Farbreize nicht mehr haben, dass das so alles nur noch relativ grau aussieht.
Und das ist erstaunlich wirksam, weil eben dadurch schon so eine Attraktivität flöten geht.
Oder es gibt eben auch Apps, die du so programmieren kannst, dass du sagen kannst, wenn ich morgens aufgewacht bin, nachdem ich, keine Ahnung, meinem Handy irgendeinen Impuls gegeben habe morgens, keine Ahnung, vielleicht das erste Mal nach dem Wetterbericht geschaut oder so, dass dann bestimmte Apps erstmal gesperrt sind.
Dass man gleich sagt, morgens nach dem Aufwachen gibt es für eine Stunde nicht die Möglichkeit, sich bei Instagram oder Facebook oder Telegram oder wo auch immer einzuloggen. Das ist erstmal gesperrt.
Wenn es kracht: präsent sein statt predigen
Meistens ist es ja so, dass es vielleicht trotzdem kracht, also dass Konflikte trotzdem entstehen.
Und dann ist es eben ganz wichtig, dass man versucht, diese Konflikte konstruktiv zu lösen, indem man sich eben mit seinem Kind in dem Moment beschäftigt, auch mit seinem Teenager-Kind.
Dass man schon sagt, ich sehe, du würdest jetzt gerne noch weiterschauen. Unser Deal war aber, der Timer ist rum, ich halte mich auch dran.
Wenn es dir jetzt schwerfällt, lass uns zusammensetzen.
Wir können gemeinsam ein Spiel spielen, wir können gemeinsam was Kreatives machen, wir können eine Atemübung machen oder wenn eine Wut hochkommt, gemeinsam auf den Boxsack einschlagen oder ins Kissen hauen oder was auch immer.
Wichtig ist in den Momenten keinen Vortrag zu halten, sondern präsent zu sein und Verbundenheit zu schaffen, statt zu predigen und zu sagen, das ist total anstrengend mit dir und nie klappt das. Also Vorwürfe helfen in diesem Moment überhaupt niemandem.
Alternativen-Liste: natürlicher Dopamin-Kick statt Autopilot
und für diese Momente ist es wichtig, wenn wir dann irgendwie Alternativen aus dem Hut ziehen können und das ist auch gut, wenn man sowas vielleicht auch gemeinsam erarbeitet, dass man überlegt, okay, wenn ich dann das Handy nicht mehr nutze, weil meine Zeiten vorbei sind, was kann ich denn stattdessen machen, um einen natürlichen Dopamin-Kick zu bekommen
und da gibt es unterschiedliche Dinge, ja, man kann sagen, Treppen hoch und runter rennen, Seilspringen, laut Musik hören, einen Song mitsingen, einen Song mittanzen.
Man kann Sinnesfokusübungen machen. Ja, was höre ich, was sehe ich, was rieche ich, was schmecke ich.
Man kann sieben Minuten nichts tun, sich wirklich einfach nur mal auf den Boden legen, Timer stellen sieben Minuten und wirklich mal gar nichts machen.
Man kann Liegestütz machen, man kann ans Fenster gehen und ins Grüne schauen oder richtig ins Grüne gehen, Spaziergang machen, Tiere streicheln, irgendetwas Neues lernen, vielleicht Origami-Falten mit einer YouTube-Anleitung oder einen Grundkurs in einer fremden Sprache oder Aquarell malen.
Man kann kalt duschen, Eisbaden, ins Meer springen, in den See springen, was auch immer.
Also überlegt euch Dinge auch gerne gemeinsam, schreibt die auf und habt eine Liste für die Momente.
Denn diese Momente sind hart und sie sind nicht hart, weil die Kinder ätzend sind, sondern weil die Apps so gebaut sind, dass die wollen, dass es niemandem leicht fällt aufzuhören. Weder den Kindern noch uns Erwachsenen.
Warum sich das lohnt
Und darum braucht es eben Regeln, Regeln für die Familie, Regeln, die uns schützen.
Weil, wenn wir uns schützen, dann bekommen wir gesünderen, besseren Schlaf, dadurch bessere Laune, einen freieren Kopf und sind einfach wieder kreativer, fokussierter, können mehr leisten. Es macht einfach total viel Spaß.
14 Tage testen statt “für immer”
Wichtig ist, dass wir uns trauen, dass wir mutig sind und dass wir es einfach mal testen. 14 Tage.
Und dann können wir immer noch entscheiden, dann könnt ihr immer noch gemeinsam entscheiden, was hat gut funktioniert, was hat nicht gut funktioniert. welche Regel möchten wir, dass sie für immer bleibt, welche Regel ist so blöd gewesen, dass wir sie doch wieder rausschmeißen.
Abschluss & Einladung
Und wenn du daraus auch nur eine einzige Sache mitnimmst, aus all dem, was wir jetzt besprochen haben, dann hast du, und dafür lege ich meine Hand ins Feuer, schon was gewonnen.
Geh einfach den ersten Schritt. Mach heute Abend dein Handy rechtzeitig vom Schlafen gehen aus und sprich morgen mit deinem Kind rüber und erzähl es ihm und sag ihm, wie es sich für dich angefühlt hat. Sei Vorbild.
Und wenn du Inspiration brauchst, dann hol dir total gerne Bye-Bye-Handy-Stress mit Kids. Das ist eine Checkliste für einen entspannteren Umgang mit dem Smartphone in der ganzen Familie, ohne Drohnen, ohne Strafen.
Das Ganze kostet sich nichts. Kannst du dir einfach runterladen. Ich packe dir den Link total gerne hier in die Show Notes.
Also, schnell noch die Checkliste runterladen und dann Handypause machen.
Ich freue mich, dass du dabei warst. Ich freue mich von dir zu hören. Ich teile total gerne deine Gedanken dazu, aber vielleicht auch deine Erfahrungen, wenn du dich traust, da mal Veränderungen in deine Familie zu bringen.
Und ja, vielleicht hören wir uns nächste Woche wieder. Bis dahin, alles Liebe, deine Inga. Das war Mensch, Mutti. So schön, dass du dabei warst.
Wer schreibt hier?
Hi, ich bin Inga.
Ich begleite Mütter, die immer alles wuppen, aber sich selbst dabei verlieren – ihre unbewussten Stress- und Konsummuster zu verstehen und nachhaltig zu verändern. Als Frau, die selbst durch die Konsum-Grauzone gegangen ist, weiß ich: Nüchternheit und bewusstes Leben sind keine Einschränkung, sondern der Anfang echter Freiheit.
sober lifestyle & sober parenting
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Schlafcoaching
Dozentin SleepMaster Academy
